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a place for exhibitions - a small window in the Oranienburger Strasse No.8 in the center of Berlin






Seit Dezember '97 zeigen wir in einem kleinen Schaukasten in der Oranienburger Straße 8 in Berlin Mitte Kunst für Vorübergehende.
35x60x21 cm3 stehen zur Verfügung: ein in Eigeninitiative errichteteter Neubau in der dunklen Bröckelfassade eines der ältesten Häuser der Straße.
Bis dato haben 13 Ausstellungen von 10 verschiedenen Künstler/innen eine große Vielfalt im kleinen Rahmen vorgeführt. Die besondere Situationierung des Kastens an der engsten Stelle der Oranienburger Straße bietet eine enorme Bandbreite an Publikum für dieses nicht-kommerziell orientierte Forum von Künstlern für Künstler. Er ist Herausforderung und Spielwiese zugleich.

Für uns, die wir den Schaukasten als eine Art Straßengalerie organisieren, sind Begeisterung, Sensibilität und Selbstbestimmtheit die wichtigsten Kriterien und wir danken besonders dem Beirat für dezentrale Kulturarbeit in Berlin Mitte für die finanzielle Unterstützung dieser Arbeit.
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aus der Berliner Stadtzeitung SCHEINSCHLAG
Ausgabe 9/98 im Mai

W er ist eigentlich diese Kunst in Mitte, der niemand mehr eine Chance geben will (in Anlehnung an ein Bonmot auf der Herrentoilette in der Kapelle)?
Ein Aufklärungs-Kurzhinweis-Modellführer (mehr oder weniger lohnenswerter Kunstbegutachtung)
in vier Teilen.
Modell I - Avantgarde-Modell, frühe-bis-mittlere-90er-Stil - Das II. Festivall
junger experimenteller Kunst im Postfuhramt. Fünfzehn Tage lang bevölkern im Rahmen eines Low-Budget-Projektes (bedeutet, daß praktisch kein Geld vorhanden ist) Künstler unterschiedlichen Stils und unterschiedlicher Handwerksrichtung die Location (cooler Ort) an der Oranienburger Straße, die bereits mehrfach kunstgetestet ist. Die Arbeiten der bildenden Künstler bestehen zu 90 Prozent aus Installationen. Nur Sophie Lovell aus Großbritannien widmet sich ausschließlich der (Wand-) Malerei. Oft steht der Spaß im Mittelpunkt. Kunst ist ein Ereignis, das Erleben des Betrachters bildet das Zentrum. Gleichwertiger Bestandteil (also auch Kunst) ist das allabendliche Unterhaltungsprogramm, das in Form von Filmen, Videos, Performances, Theateraufführungen, Konzerten und DJ-Sets stattfindet. Einige der teilnehmenden Künstler sind mindestens schon mal in der Volksbühne aufgetreten oder kennen jemand, der an der documenta teil genommen hat. Ein Klassentreffen der besonderen Art, bei dem Zuschauer ausdrücklich ziemlich herzlich willkommen sind. Vom 15. bis 31. Mai, Oranienburger Ecke Tucholskystraße, Ausstellung täglich 14 bis 22 Uhr, Abendveranstaltungen um 20 Uhr. Informationen gibt's auch in der Aktionsgalerie (Große Präsidentenstr. 10, fon 28599650), die das Festival ausrichtet.
Womit wir bei Modell II sind - klassisches Galerienmodell - Gabriele Musebrink in der Galerie Mori Orgai. Die nach einem japanischen Schriftsteller (der um die Jahrhundertwende in dem Haus gelebt haben soll) benannte Galerie befindet sich nämlich direkt über der Aktionsgalerie und ist so etwas wie der hochkulturelle Ableger der bislang rein experimentellen Kellergalerie. Das muß man nicht unbedingt als Abgesang auf die wilden Tage der Kunst in Mitte und als Anpassungsleistung an den eher geschniegelten Galerienbetrieb rund um die Augustraße deuten, kann man aber. Die Künstlerin versucht, das Prozesshafte ihn unserem Dasein sichtbar zu machen, indem sie explosionsartig Bilder, die sich in ihrem Kopf gebildet haben, auf die Leinwand überträgt. Um die Ergebnisse zeigen zu können braucht man helle, nüchterne Räume, in denen Form und Farbe wirken können. Noch bis zum 12. Juli. Anschrift siehe Aktionsgalerie.

Direkt um die Ecke befindet sich Modell III - Schaukastenkunst - Oranienburger Str. 8 - Eine sich rasch verbreitende Spielart der Kunstpräsentation im öffentlichen Raum ist die an Werbung erinnernde Technik der Schaukastenpräsentation. Hier treffen Inszenierung und die Realität der Straße knallhart aufeinander. Da das Gezeigte nicht ausdrücklich als Kunst erkennbar oder identifizierbar ist, führt es entweder dazu, daß sie übersehen wird oder daß sie verwirrt, erfreut, begeistert. Letzteres kann man als guten Kunsterfolg werten und ist ein wichtiger Grund, warum man Kunst eine Chance geben sollte. Nach einem mühsamen und mißratenen Auftakt dieser Modellart am Kollwitzplatz mit der Ersatzkunst für die deportierte Käthe-Kollwitz-Plastik und dem gelungenen, opulenten Ergänzungs-Coup an der direkt gegenüber liegenden Eckhausfassade (Kollwitzstr. Ecke Knaackstr.) ist es Zeit, auf den kleinen Schaukasten an der bröckelnden Fassade der Oranienburger Str. 8 aufmerksam zu machen, der im Dezember 97 mit einem dezent beleuchteten Ensemble von Grapefruits eröffnet wurde. Hier ist unbedingt Situationsspezifik gefragt. Im schnellen Wechsel soll diese bis Mitte August gewahrt und variiert werden. Details sind vor Ort zu klären oder mit den Initiatoren Wolfgang Schneider und Marita Fried unter fon 2858117.

Völlig offen bleiben Details bis auf weiteres bei Modell IV- Performance-Kunst an der Schnittstelle Leben - Deep Space No im c-base-Basislager- Eine gewisse Unverständlichkeit ist bei allen künstlerischen Aktionen wichtig und unvermeidbar. Unübersehbar ist aber auch die Hinwendung zum Populären und Unterhaltsamen. Ein beliebter Schachzug ist die Entmystifizierung der Inszenierung solange, bis irgendwann Lebensähnliches dabei herauskommt. Zu lebensähnlich sollte es aber nicht sein, sonst ist es (Achtung, wichtigl) keine Kunst mehr. Ein Szenario wie folgendes, mag manchen etwas lebensfern vorkommen, denen sei aber gesagt, daß sie einfach nur die falschen Fernsehprogramme gucken: Eine Space-Crew aus der Zukunft kommt auf Geheim-Mission in die Vergangenheit. Allesamt alles andere als hochmotiviert & vorbildlich, jedoch ihrer Aufgabe in keinster Weise gewachsen, landet sie in Berlins Mitte auf der Suche nach Ordnung, usw. In echter Echtzeit-Besessenheit zelebriert die friendship performance company (cooler Theatergruppen-Name) dieses Ereignis als Sitcom (Komödienform der Fernsehgeneration) in fünf Folgen (jede wird nur einmal gespielt/improvisiert!). Die ersten beiden Folgen sind am 17. und 24. Mai zu sehen, jeweils um 20.30 Uhr in der Oranienburger Straße 2 auf dem c-base-Gelände, fon 7866445.
st

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